Hautfreundin

Ein Roman, der viel verspricht, aber kaum etwas davon auch halten kann. „Hautfreundin“ hat mir Lust gemacht auf starke Frauen, die zu ihrer sexuellen Aktivität stehen – leider passt die Protagonistin dieses ROmans nicht ganz in dieses Bild.

Hautfreundin. Eine sexuelle Biografieindex
Doris Anselm
Roman
Luchterhand Literaturverlag
256 Seiten
27. Mai 2019
20 Euro
ISBN: 978-3630876030

Inhalt

Gibt es noch schmutzige Worte? Hilft fesseln gegen Traurigkeit? Besitzt ein Mann mit einer schönen Stimme auch eine schöne Zungenspitze? Kann man zu zärtlich sein, wenn man bloß eine Affäre hat? Und gedeiht im Unanständigen vielleicht ein besonderer Anstand? – Sie ist eine Frau, die Sex mag und seltsame Fragen, ihre eigene Haut und die Haut ganz verschiedener Männer. Direkte Berührung ebenso wie den Salto ins Fantastische. Sie flirtet lieber unterwegs als online, weil sie den kleinen Rausch des ersten Schritts liebt. Ihr Blick auf Sex ist zugleich lustvoll und schräg, präzise und sanft. Die Männer, denen sie nah kommt, gehen ihr nah. Aber worauf steht sie eigentlich selbst? Und wie hat das angefangen? Nach und nach ergeben die Geschichten ihrer hautnahen Begegnungen eine Geschichte: die überraschend glückliche sexuelle Biografie einer freien Frau. So sinnlich erzählt, dass die Sprache selbst Feuer fängt.

Meine Meinung

Ein Buch über eine Frau, die ihr sexuelles Leben so lebt wie sie es will. Das zeigen will, dass auch Frauen ohne feste Beziehung oder festen Sexualpartner glücklich sein können, Nähe erleben können und dabei nichts vermissen. „Hautfreundin“ klang durch seinen Klappentext wie ein revolutionärer Roman, der sich etwas traut. Leider überwiegte bei mir am Ende doch eher Enttäuschung darüber, dass diese gute Idee nicht so umgesetzt wurde, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Protagonistin fehlt es meiner Meinung nach an Stärke – sie wiedersetzt sich nicht aktiv genug gegen Vorurteile und Kritik durch Freunde und Familie, zeigt nicht die Stärke die ich erwartet hätte, sondern schluckt vieles einfach nur runter. Die verschiedenen Kapitel erzähen von ihren sexuellen Abenteuern und diese werde alle auf eine ähnliche Weise erzählt. Hervorgestochen haben da nur wenige Geschichten, wie etwa eine, die die Protagonistin in der Zukunft zeigt – wobei hier das Zukunftsszenario an sich deutlich interessanter war als der Akt an sich. Doris Anselm bemüht sich zu zeigen, wie vielfältig Sex mit Fremden sein kann, dass es aufregend ist und einen Menschen trotzdem glücklich machen kann. Ganz klappt das aber einfach nicht. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, dass man sich mit dieser Einstellung trotzdem immer verstecken muss, sich in der Öffentlichkeit gegenüber anderen Frauen nicht wohl fühlt – und es fehlte massiv an Diversität! Ich habe zeitgleich einen anderen Roman mit ähnlicher Thematik gelesen und dann gemerkt, wie deutlich sich die Autorin in diesem Roman auf rein heterosexuelle Beziehungen bezieht – Die Protagonistin wag nichts neues, ihre Erkenntnisse beziehen sich immer nur auf den Kontakt mit einem männlichen Partner und in der heutigen Zeit hätte ich mir da zumindest eine Geschichte mit homosexuellen Hintergrund gewünscht – ein Experiment, ein Wagnis wäre schön gewesen. Durch diese inhaltliche Einseitigkeit kam bei mir irgendwann Langeweile auf, der Augang der meisten Kapitel hat sich schon früh abgezeichnet.
Einen recht positiven EIndruck habe ich hingegen vom Schreibstil und dem sprachlichen Können der Autorin gewonnen. Teilweise etwas fad und dann wieder etwas zu emotional und detailliert beschrieben, ist ihr Stil dennoch eigenwillig und hat einen Wiedererkennungswert. Manche Kapitel sind ihr sprachlich wirklich sehr gut gelungen und wenn mich die Story einmal nicht so packen konnte, so tat dies wenigstens ihr Schreibstil.

3/5 Sterne

*Vielen Dank an das Bloggerportal und den Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar*

 

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