New Adult – eine Hassliebe?!

New Adult spaltet die Geister. Entweder man hasst es oder liebt es. Kritiker meinen, dass nicht nur falsche Werte vermittelt, sondern auch toxische Beziehungen normalisiert werden. Liebhaber argumentieren mit „Das ist doch alles nur Fiktion“ und appellieren an die Vernunft des Lesers. Fakt ist: Romantische Geschichten lesen wir alle irgendwie mal gerne. Und New oder auch Young Adult liefert genau das. In meinem Post möchte ich euch erklären, welche Bücher dies Genres mich nerven – und ich lasse auch euch zu Wort kommen.

Was war euer erstes New Adult Buch? Meins war „Berühre mich. Nicht“ von Laura Kneidl. Und Bookstagram war Schuld. Mein Blog steckte noch in seinen Kinderschuhen und der Hype um dieses Buch machte mich neugierig. Auch der Druck von außen war groß: Alle lasen dieses Buch, also bekam ich das Gefühl, das auch zu müssen. Laura Kneidls Buch war der erste Schritt für mich in ein neues Genre und ich war wie gefesselt von dieser Geschichte. Ich habe mitgeschmachtet und mitgeweint. Der Beginn einer großen Genre-Liebe?

Schon bald begann ich mir weitere Bücher aus dem Bereich New und Young Adult zu schnappen. Doch nicht jedes davon war ein Volltreffer. Ich war schnell gelangweilt von den wiederkehrenden Motiven oder einfach nur geschockt von den Werten, die diese Bücher an junge Menschen vermitteln. Mehr dazu gibt es gleich noch.

Weniger Klischees, mehr Diversität!

Einen klaren Unterschied bei der Qualität der Bücher scheint es (meiner Meinung nach) mit der Herkunft der AutorInnen zu geben. Gerade bei Romanen aus dem englischsprachigen Raum trifft man auf viel Diversität und immer seltener auf flache Klischees. Auch unter deutschen AutorInnen scheinen sich diverse Themen immer mehr zu etablieren – siehe Laura Kneidl. Allerdings geschieht dies nicht immer auf dem gleichen hohen Niveau wie bei dem amerikanischen KollegInnen. Einige von euch schrieben mir, dass sie das Gefühl hätten, AutorInnen würden eine „Diversity-Checkliste“ abarbeiten. Und dieses Gefühl kenne ich auch. Diversity ja – aber bitte von Herzen!

Endlich abschalten

Der Vorteil von einem leichten Schreibstil und der vorhersehbaren Handlung: New Adult macht sich gut für zwischendurch. 400 Seiten Romane lassen sich an einem Abend durchlesen. Man kann nach einem stressigen Tag ganz wunderbar beim Lesen abschalten. Noch heute greife ich zu diesen Büchern, wenn ich Lust auf etwas seichtes habe (zuletzt war es „Wir sind das Feuer“). Und viele von euch nennen auch genau das als Hauptmotivation für das Lesen von New Adult Büchern.

Eure No-Go’s

Ein großer Kritikpunkt von eurer Seite aus, war die Verherrlichung von toxischen Beziehungen. Wir treffen oft auf einen Bad Boy, der das Mädchen seiner Wahl wie Dreck behandelt – und damit auch noch durchkommt. Wenn eine Frau „Nein“ sagt, dann heißt das auch nein. Und wenn ein Mann das ignoriert, ist das nicht sexy. Sondern problematisch. Genauso ist es problematisch, wenn der Typ schlecht über das Mädchen redet oder sie generell respektlos behandelt. NICHT SEXY! Und auch nicht romantisch. Einfach nur ein No-Go.

Was mich stört

Ich persönlich kann Kritiken wie diese total nachvollziehen. Auch ich hatte eine Phase, in der ich Bücher aus diesem Genre verschlungen habe. Da waren sie noch neu für mich und konnten mich ehrlich begeistern. Inzwischen tritt jedoch ein deutliches Problem auf: Kennt man ein New Adult Buch, kennt man sie (fast) alle. Elemente, die mir inzwischen mehrfach wieder begegnet sind (ich aber auch extrem kritisch sehe) sind unter anderem:

  • Alkoholmissbrauch: Häufig greifen die ProtagonistInnen auf Partys zum Alkohol und betrinken sich übermäßig. Was darauf folgt ist nicht der Absturz, sondern der erste körperliche Kontakt mit dem Crush. Eine Berührung, ein Kuss oder sogar mehr. Und selbst wenn das nicht eintritt, hilft er ihr fürsorglich nach Hause oder hält ihr beim Kotzen die Haare. Somit ist auch hier das Eis gebrochen. Es wirkt, als wäre Alkohol der beste Wingman.
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr: Besonders in Büchern, in denen mehrfach Sexszenen auftauchen, kommt es irgendwann zum spontanen Sex. Nicht selten auch ohne Kondom, weil einfach grad keins da ist. Ich gehe dann regelmäßig an die Decke, wenn die Protagonistin sagt: „Keine Sorge, ich nehm die Pille“. Wir alle wissen, beim Kondom geht es nicht nur um Verhütung, sondern um Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Oft scheint die Lust wichtiger als die eigene Sicherheit zu sein. Warum? Weil ein Abbruch der Szene nach dem Vorspiel einfach nur unsexy zu lesen ist. So sollte es aber sein!
  • Partnertattoos: Egal ob gleiche Motive oder einfach nur ein Tattoo mit Partnerbezug: Das geht gar nicht! Oft werden die Motive spontan ausgewählt, natürlich hat der Tattoowierer auch spontan Zeit. Dass dieser eigentlich von spontanen Motiven abraten sollte, wird übergangen. Dass ein Motiv, das dich an einen Partner erinnert, eine verdammt schlechte Idee sein könnte, wird auch ignoriert. Was passiert bei einer schmutzigen Trennung? Solche Dummheiten sollten nicht als romantisch gelten.

Und bitte versteht mich nicht falsch: Ich LIEBE Kitsch – wenn er gut gemacht ist. Es gab und gibt einige New Adult Romane die mich ehrlich begeistern und berühren konnten. Meistens waren das aber Geschichten, die außergewöhnlich und einzigartig waren. Das ewige Wiederholen von Klischees ist keine Garantie für ein gutes Buch (vielleicht für einen Bestseller, aber das ist nunmal nicht das gleiche).

Mein Fazit

Jeder soll Lesen, was er mag. Allerdings muss nicht jedes Buch auch veröffentlicht werden. Gerade im Genre New Adult sehe ich die Verantwortung eher bei den AutorInnen und den Verlagsmitarbeitern. Sie bestimmen was geschrieben und veröffentlicht wird – und sollten deshalb ein besonderes Auge auf problematische Inhalte haben. Ich möchte auch weiterhin New Adult Bücher lesen. Aber ich hoffe, dass sich AutorInnen und Verlage in Zukunft mehr Gedanken machen, was sie mit ihren Büchern möglicherweise bewirken können. Junge Menschen können falsche Werte und falsche Vorstellungen von Romantik vermittelt bekommen. Das gilt natürlich nicht nur für dieses Genre. Auch im Bereich Fantasy treffen wir oft auch solche negativen Aspekte. Aber wenn wir diese Probleme ansprechen und offen und sachlich darüber diskutieren, können wir vielleicht für ein Umdenken sorgen – wer weiß. Denn ich denke, dass sich New Adult Bücher auch ohne toxische Beziehungen und Klischees gut verkaufen würden.

Zum Abschluss möchte ich euch noch eine kleine Liste an New Adult Büchern mitgeben, die mir gefallen haben. Vielleicht ist ja auch etwas für euch dabei:

Empfehlung

Kennt ihr schon meine 15 Gedanken Posts? Dort notiere ich meine Gedanken beim Lesen eines Buches – gerne mal mit sehr viel Ironie. Auch einige New Adult Romane habe ich so rezensiert. Achtung Spoiler!

15 Gedanken: Wir sind das Feuer von Sophie Bichon

15 Gedanken: Burning Bridges von Tami Fischer

15 Gedanken: Wild Solls von T.M. Frazier

15 Gedanken: Someone News von Laura Kneidl

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